Museum In Gniew

Das Museum in Gniew

Die am besten erhaltene gotische Burg in Pommern

Nicht nur Marienburg (Malbork) besitzt eine Deutschordensburg. Eine ebenso entzückende und vollständig restaurierte Ordensburg befindet sich auch in der Ortschaft Gniew – an der Weichsel, in der Woiwodschaft Pommern, im Landkreis Tczew. Dort eben unter der Anschrift Plac Zamkowy 2 befindet sich eine weitere Zweigstelle des Danziger Archäologischen Museums.

Entstehung der Ordensburg und ihr Ausbau

Den Bau der Ordensburg in Gniew begann man im Jahr 1283. Die Aufsicht über die gesamten Arbeiten wurde Dietrich von Spira, dem ersten Komtur von Gniew, anvertraut. Die Arbeiten dauerten circa 40 Jahre. Um das Jahr 1290 wurde eine 6 Meter hohe Außenwand in Form eines Vierecks errichtet. An drei Ecken wurden quadratische Türme angebaut, sowie ein großer Bergfried (Belagerungsturm) in der Nord-Ost-Ecke. In dieser Zeit entstanden auch die südlichen und nördlichen Wohnflügel. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden die Mauern und Türme erhöht und der Innenhof von der Ost- und Westseite mit Hilfe von zwei Gebäuden geschlossen. Die letzte Etappe der Bauarbeiten hing zusammen mit der Umgestaltung der Wachräume in eine Dauerresidenz des einstigen Hochmeisters Michael Kuchmeister. Zu dieser Zeit wurde auch die Kapelle vergrößert, indem man die Wachräume verkleinerte. Des Weiteren wurde im Süden von dem sog. Konventhaus (ein Typ des Ordenshauses) eine Wehrvorburg mit Basteien und zwei Tortürmen angelegt.

Die Ordensburg in polnischen Händen

Im Jahr 1466, gemäß dem Frieden von Thorn, hat man die Burg in polnische Hände übergeben und sie wurde zum Sitz der Landräte. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war es der Landrat von Gniew Jan Sobieski, der zu der Zeit – bevor er König wurde – in der Wehrvorburg ein neues barockes Gebäude für seine Frau Maria Kazimiera errichten ließ.

Die Festung wechselt den Eigentümer

Im Jahr 1772 sind in Gniew die preußischen Truppen einmarschiert und haben die Burg besetzt. Seitdem diente sie zu militärischen Zwecken, danach als Getreidespeicher, was zur Folge hatte, dass man die Stockwerke im Inneren neu anordnen musste. Im Jahr 1855 wurden die Mauern der Wehrvorburg teilweise abgetragen und der Bergfried abgerissen. An seine Stelle baute man einen anderen, kleineren, den übrigen drei Ecktürmen ähnlichen Turm. Ein weiterer Umbau des Wachraums fand in den Jahren 1856–1859 statt und hing zusammen mit der Umwidmung des Bauwerkes in ein Gefängnis, welches in der Folge zum berüchtigsten Zuchthaus in ganz Preußen wurde. Die Arbeiten umfassten die Putzabtragung, den Aufbau des Kappelen-Gewölbes, die Abtragung des Danskers – des Turms außerhalb von Wehrmauern – und das Einschlagen von neuen Fensteröffnungen.

Das Bauwerk kehrt in polnische Hände zurück

In solchem Zustand wurde die Burg durch die polnische Verwaltung im Jahr 1920 übernommen und zum Sitz des Landratsamtes, anschließend zum militärischen Munitionslager bestimmt. Bei einem Brand im Jahr 1921 wurden leider drei Flügel und die Überdachung des Wachraumes zerstört.
Während des Zweiten Weltkrieges war hier eine paramilitärische Schule für Jugendliche und anschließend ein Übergangsgefängnis für polnische Staatsbürger untergebracht.

Burg unter der Obhut des Museums

Erst im Jahr 1968 begannen auf der Burg die ersten Revitalisierungsarbeiten. Das Archäologische Museum in Danzig beteiligte sich an ihnen ab 1992.
Nur ein Jahr später, nach der endgültigen Schuttabtragung und der Freilegung des Kellers, der sich unter dem südlichen Flügel befand, wurde auf der Burg die erste Ausstellung präsentiert – „Gniew vor dem Hintergrund der archäologischen Untersuchungen in den Jahren 1975–1985“.
Am 27. Januar 1995 wurde, nach einer dreijährigen Vorbereitungsphase, durch Beschluss des damaligen Woiwode von Danzig Maciej Płażyński, eine Zweigstelle des Museums auf der Burg in Gniew offiziell eröffnet.
Die neue Einrichtung hat den westlichen Flügel der Burg übernommen und dient – außer dass sie Aktivitäten im Zusammenhang mit Ausstellungen und Wissenschaft realisiert – dazu, auf der Burg Ritterturniere und andere historischen Veranstaltungen durchzuführen.
Am 15. Juli 1998 wurde eine bis heute laufende multimediale Ausstellung, welche von der Schlacht bei Tannenberg erzählt – „Tannenberg 1410“ und im Jahr 2010 die Ausstellung „Das tägliche Leben auf einer mittelalterlichen Burg“, eröffnet.

Unsere Ausstellungen

„Tannenberg 1410“ – das zentrale Element der Ausstellung ist das Gemälde von Stefan Garwatowski, welches den Anfang der Schlacht darstellt. Den Verlauf der Schlacht können Sie im Rahmen eines speziellen Hörspiels nacherleben.

„Das tägliche Leben auf einer mittelalterlichen Burg“ – eine Ausstellung über Handelsbetriebe im Mittelalter und Gegenstände der täglichen Verwendung zu dieser Zeit.

„Kunstschmiede“ – die Galerie besteht aus Exponaten, die von Kunstschmieden während der

„Internationalen Vorführung der Kunstschmiede“ in den Jahren 1992–2004 übergeben wurden.